Wie
bekannt
habe ich 1994 meine umfangreiche Sammlung über
unsere Heimatstadt der Stadt Görlitz übergeben, die
als Gegenleistung einen
Raum für eine Dauerausstellung "Schweidnitz" im Barockhaus
Neißstraße 30 zur
Verfügung stellte. In zuletzt 7 Vitrinen konnte die deutsche
Vergangenheit
wenigstens notdürftig dokumentiert werden. Ein
Großteil der Schauobjekte musste
freilich in den Schränken versteckt bleiben. Als der Plan
eines totalen Umbaus
des Gebäudes auftauchte, machte der für die
Görlitzer Kunstszene zuständige Jasper
v. Richthofen klar, dass - entgegen den
vertraglichen Abmachungen von 1984 -
nach Fertigstellung kein eigener Raum für Schweidnitz mehr zur
Verfügung
stünde. Man wolle zwar Einzelobjekte bei
Sonderausstellungen zeigen, der
größte Teil der Exponate aber werde im Magazin
sorgfältig gepflegt und gehütet
werden. Genau das aber sollte mit den Abmachungen von 1994 vermieden
werden -
gerade auch die Alltagskultur, Leben und Treiben der Menschen, ihre
Arbeit und
ihre Erholung, Schule und Kirche, Vereine und
Produktionsstätten sollten in
möglichst vielen Facetten ständig sichtbar sein
- soweit sich dies nach dem
Verlust der Heimat überhaupt noch dokumentieren
ließ. Dabei war schon die
Beschränkung auf einen Raum ein zwar vertretbarer, aber auch
schmerzhafter
Kompromiss gewesen, der aber mehr als 10 Jahre gehalten hatte. Ein
einjähriger
Kampf mit immer wiederholten gleichen Aussagen begann. Ich
wäre schließlich
trotz Bedenken sogar bereit gewesen, ein äußerst
verlockendes Angebot aus
Schweidnitz anzunehmen, wo man mir ein ideales, frisch renoviertes
Zimmer im
MUZEUM anbot – zentral gelegen im 1. Stock des
früheren Rathauses, wo einst OB
Trzeciak/Trenk residiert hatte. Das aber lehnte die Stadt
Görlitz - seit 1994
ja Eigentümerin aller dorthin abgelieferten Objekte!
- ab.
Ein gangbarer
Ausweg fand sich, als Dr. Gerhard Kaske und
Sigismund Frh. v. Zedlitz die STIFTUNG SCHLESISCHE HEIMATSTUBEN
– Sitz in
Görlitz - ins Leben riefen. Sie hatten das Problem erkannt,
das zunehmend alle
ca. 70 oder 80 schlesischen Heimatsammlungen bedrohte – wie
es eben mit der
„Sammlung Adler“ geschah. Nach dem Tode der
Erlebnisgeneration wäre kaum
Widerstand zu erwarten, wenn die Träger die
Räume anderweitig nutzen und die
„out“ und lästig gewordenen
Erinnerungen an die 700jährige deutsche Vergangenheit
einer längst polnischen Stadt ins Magazin verbannen und sie
dort verstauben
lassen. Dies zu verhindern, hat sich die STIFUNG zum Ziel gesetzt. Sie
will
alle in ihrem Bestand gefährdeten Sammlungen zentral
zusammenführen und für die
Zukunft retten. Diesem notwendigen (im wahrsten Sinne des Wortes!) Ziel
verschloss sich der Görlitzer OB Paulick nicht. Er
förderte das Vorhaben
dadurch, dass er der STIFTUNG für die
Unterbringung der Sammlungen ein leer
stehendes Schulhaus anbot und sich bereit erklärte, ihr die
„Sammlung Adler“ zu
übergeben. Inzwischen konnte die STIFTUNG aber eine noch
bessere Unterkunft im
frisch renovierten Schloss Markersdorf bei Görlitz finden, wo
hoffentlich schon
im Herbst die „Sammlung Adler“ wieder
zugänglich sein wird.
Die
STIFTUNG
SCHLESISCHE HEIMATSTUBEN ist der Versuch, in
wahrlich letzter Minute die unter großen Opfern an Zeit und
Geld zusammen
getragenen Zeugnisse aus Schlesiens deutscher Vergangenheit auf Dauer
zu
sichern und verdiente deshalb jede Unterstützung. Leider sehen
die drei
etablierten Museen hier eine - nur unter bestimmten Aspekten
verständliche! -
unliebsame Konkurrenz. Das ergibt sich aus einer gemeinsamen
Erklärung der
Leiter des Schlesischen Museums zu Görlitz, Dr. Markus Bauer,
des Museums für
schlesische Landeskunde/Haus Schlesien in Königswinter, Nicola
Remig, und des
Oberschlesischen Landesmuseums in Ratingen, Dr. Stefan Kaiser,
veröffentlicht
im Juni-Brief aus dem Haus Schlesien. Dabei ergänzen sich die
Ausstellungsobjekte doch gegenseitig. Die genannten Museen
können nur besonders
herausragende Objekte der schlesischen Kultur zeigen. Die
Bestände der STIFTUNG
spiegeln dagegen überwiegend das Alltagsleben in all seiner
Vielfalt wieder. Im
Interesse Schlesiens und der Schlesier liegt eine von Futterneid
bestimmte
Haltung bestimmt nicht!
Für
alle, die Näheres über die STIFTUNG erfahren
möchten,
hier die Anschrift des 1. Vorsitzenden: Dr. Gerhard Kaske,
Flämingstr.20, 45770
Marl. Tel. 02365/32359. eMail gerhard.kaske@gmx.de,
Die Webseite finden Sie unter www.stiftung-schlesische-Heimatstuben.de.
N.B!
Die
reichen Buchbestände der "Sammlung Adler"
(soweit
sie nicht noch bei mir sind) bleiben wie bisher weiter unter der
fachlichen
Betreuung der OBERLAUSITZISCHEN BIBLIOTHEK DER
WISSENSCHAFTEN (OLB), Leiter
Matthias Wenzel, die für die Zeit des Umbaus ebenfalls ein
Ausweichquartier
beziehen musste, und zwar in der Arndtstr. 11a, 02826 Görlitz.
Webseite: www.olb.goerlitz.de,
Mail: m.wenzel@goerlitz.de.
Dort können die
Bücher benützt und auch ausgeliehen
werden.